Was ist eigentlich Globalisierung?
Hier haben wir es wohl mit DEM Wort der letzten zehn Jahre zu tun – Globalisierung. Heißt alles und nichts, passt immer gut in die Nachrichten und keiner weiß so richtig, was es bedeutet. Wir nähern uns dem ganzen mal an.
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Die Welt vernetzt sich immer mehr. Das Internet ist der wichtigste Faktor für die Globalisierung.
(© picture alliance / Arco Images G)
Du hast doch sicher Facebook. Oder SchülerVZ. Oder StudiVZ. Oder Lokalisten. Oder Wer-kennt-wen. Nein? Aber eine E-Mailadresse, die hast du doch sicher.
Herzlichen Glückwunsch, spätestens damit bist du Teil der globalisierten Welt. Das Internet und andere neue Technologien machen es dir (und allen anderen auch) möglich, nachts um drei von Berlin aus eine E-Mail zu schreiben, die dann zwei Sekunden später in San Francisco eintrifft. Ganz egal, dass es mitten in der Nacht ist und in Deutschland keiner den Briefkasten leert, ganz egal, dass zwischen Berlin und San Francisco schlappe 9117 Kilometer und ein Ozean liegen.
Technische Entwicklungen wie die E-Mail lassen Raum und Zeit also weitgehend egal werden. Diesen Prozess und seine Folgen nennt man Globalisierung. Man kann Tag und Nacht mit beinahe jedem Winkel der Welt Kontakt aufnehmen. Das nützt dir, wenn du einem Freund in Amerika schreiben möchtest, ganz besonders profitieren aber Unternehmen von den Möglichkeiten, die sich aus der schnellen Internetverbindung ergeben: Zum Beispiel Videokonferenzen. In London, New York und Berlin setzen sich die Geschäftsleute vor eine Kamera und schon sehen sich alle gegenseitig. Die Zeit- und Kilometerunterschiede machen nichts mehr aus.
Das Wort Globalisierung passt da ganz gut, denn es steckt ja unüberhörbar „global“ drin, das heißt weltweit oder weltumspannend. Globalisierung bedeutet also so etwas wie „Weltumspannung“. Das lässt sich auf viele Bereiche übertragen, nicht nur das Internet.
T-Shirt auf Weltreise
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Näherinnen aus Indonesien bei der Arbeit. T-Shirts für den europäischen Markt kommen oft aus Asien.
(© picture-alliance/ dpa)
Ein T-Shirt, dass du heute in Deutschland kaufst, war wahrscheinlich schon in Ländern, in die du so schnell nicht reisen wirst. Die Wolle für das T-Shirt kommt zum Beispiel aus Afrika. Dann wird sie nach Asien transportiert, um dort gefärbt zu werden. An einem dritten Ort wird die Wolle zu Stoff verarbeitet und an einem vierten wird schließlich das T-Shirt genäht. Dann wird es nach Deutschland transportiert, wo du es dann kaufen kannst.
Solche Produkt-Weltreisen sind auch eine Folge der Globalisierung. Man kann nicht nur mit jedem Winkel der Welt Kontakt aufnehmen, man kann ihn auch nutzen. Durch immer modernere Transportsysteme – Riesentanker, Flugzeuge, Kühllastwagen – lassen sich viele Produkte rund um die Erde transportieren, ohne schlecht oder beschädigt zu werden.
Und was soll das? Naja, im Ausland – und da besonders in Ländern der Dritten Welt – sind die Löhne sehr niedrig. Ein T-Shirt-Näher in Bangladesh bekommt viel weniger Geld für seine Arbeit als sie ein Deutscher bekommen würde. Deshalb lassen Unternehmen aus der ganzen Welt in diesen sogenannten Billiglohnländern produzieren. Sie sparen so viel Geld, dass sie den Transport dorthin locker bezahlen können.
Vielleicht findest du das unfair. Damit bist du nicht alleine, denn es gibt immer mehr Menschen, die sagen, dass die Unternehmen stärker kontrolliert werden müssen. Denn es sind Fälle bekannt geworden, in denen die Menschen in den Billiglohnländern ausgebeutet werden. Sie bekommen für harte Arbeit unter schlechten Bedingungen wenig Geld. Manchmal müssen sogar Kinder arbeiten.
Fortschritt für die Meinungsfreiheit
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Freude über Mubaraks Rücktritt in Kairo. Die Proteste gegen den Herrscher wurden auch über das Internet organisiert.
(© picture alliance / Photoshot)
Verteufeln sollte man die Globalisierung aber trotzdem nicht. Internet-Unternehmen wie Facebook und Google oder das Onlinelexikon Wikipedia geben auch Menschen in Ländern die Möglichkeit, sich zu informieren, auszutauschen und ihre Meinung zu sagen, in denen das vorher nicht möglich war, wenn man nicht bestraft werden wollte.
Du hast sicher von den Protesten in der arabischen Welt gehört: Dort lehnen sich vor allem junge Leute gegen die schlimmen Verhältnisse in ihrem Land auf. Die Menschen können sich über das Internet zu Demonstrationen verabreden und Videos von dem brutalen Vorgehen der Machthaber verbreiten, damit das Ausland weiß, was da passiert. Das ging ohne Internet so gut wie gar nicht, weil alles überwacht wurde. Das Netz ist für einen Staat aber nur sehr schwer zu kontrollieren. Und so trägt die Globalisierung in Form des Internets auch ihren Teil dazu bei, dass immer mehr undemokratische Staatenlenker um ihre Herrscher fürchten müssen.
Globalisierung hat viele Seiten
Globalisierung ist also weder nur „gut“ noch nur „schlecht“. Sie ist ein schwieriges Thema, mit dem sich die Politik beschäftigen muss. Aber auch du solltest dir bewusst sein, dass das T-Shirt, das du gerade trägst, einen weiten Weg hinter sich hat und durch viele Hände gegangen ist. Und dass das Internet in anderen Teilen der Welt ein Mittel zur Freiheit sein kann.