Damit die gute Nachbarschaft noch besser wird
Bild vergrößern
Gruppenbild mit zwei Außenministern
(© Photothek / Trutschel)
Gute Nachbarschaft ist gut, aber manchmal kann sie noch besser werden - zum Beispiel, indem man noch mehr Zeit miteinander verbringt und über Dinge spricht, die einem wichtig sind. Das haben sich auch das deutsche und französische Außenministerium gedacht: Sie haben ein Seminar organisiert, in dem deutsche und französische Jungdiplomaten gemeinsam lernen und aktuelle politische Themen besprechen. Wenn sich diese bereits zu Beginn ihres Berufslebens besser kennenlernen, so die Idee, dann können sie später noch enger und vertrauensvoller zusammenarbeiten.
Deutschland und Frankreich arbeiten seit Jahrzehnten besonders intensiv zusammen. Wenn es um Europa gibt, ist in den Nachrichten zum Beispiel oft vom "deutsch-französischen Motor" die Rede. Erst dadurch, dass sich beide Länder nach dem Zweiten Weltkrieg vertragen haben, wurde es möglich, dass Europa insgesamt enger zusammenwächst und die Europäische Union entstehen konnte. Heute ist es ganz normal, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel regelmäßig mit dem französischen Präsidenten trifft, um wichtige Themen zu besprechen und gemeinsam darüber zu entscheiden. Auch die Außenminister treffen sich regelmäßig, ja sogar die Regierungen insgesamt treffen sich in einem festen Rhythmus. Schon seit 1963 - damals wurde der so genannte Elysée-Vertrag geschlossen - kommen die deutsche und die französische Regierung einmal pro Halbjahr zusammen, um aktuelle Fragen zu besprechen.
Gemeinsames Seminar in Berlin
Bild vergrößern
Deutsch-französische Ideenmesse
(© AA)
Bei einem dieser Treffen kam die Idee auf, die Diplomaten Deutschlands und Frankreichs zu Beginn ihrer Karriere zusammenzubringen, in einem so genannten "gemeinsamen Ausbildungsmodul". Und das hat jetzt zum dritten Mal stattgefunden: Dazu kamen 59 junge Franzosen, die alle gerade den Diplomatenlehrgang des französischen Außenministeriums absolvieren, nach Berlin. Hier sind sie auf 40 Deutsche getroffen, die vor wenigen Wochen ihre Ausbildung zum diplomatischen Dienst begonnen haben. Fünf Tage haben sie zusammen in Berlin verbracht, dabei Politiker, Experten und deutsche und französische Diplomaten getroffen, aber natürlich auch gefeiert und sich einfach kennengelernt. In kleineren Gruppen haben sie außerdem einige Tage lang Ideen dazu entwickelt, wie wichtige Herausforderungen gemeinsam angegangen werden könnten. Dabei ging es zum Beispiel ganz allgemein um die "Zukunft Europas" oder ganz konkret um die deutsch-französische Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen. Ihre Ergebnisse haben sie auf einer "Ideenmesse" im Auswärtigen Amt vorgestellt. Dort konnten sich dann auch erfahrene Diplomaten die Ideen der Nachwuchskräfte anschauen und vielleicht sogar für ihre Arbeit nutzen.
Auch die Außenminister kommen vorbei
Bild vergrößern
Bitte lächeln - die Minister machen selbst ein Gruppenbild
(© Thomas Trutschel/photothek.net)
Höhepunkt war ein Treffen mit dem deutschen und dem französischen Außenminister. Laurent Fabius, der seit Mitte Mai Außenminister ist, war zum Antrittsbesuch - so heißt das, wenn ein Minister den anderen zum ersten Mal offiziell besucht - zu Guido Westerwelle nach Berlin gekommen. Gemeinsam trafen sie die Nachwuchsdiplomaten und ermutigten sie dazu, eng zusammenzuarbeiten. Sie sollten das "Netz zwischen Deutschland und Frankreich" noch enger flechten, sagte zum Beispiel Guido Westerwelle. Und Laurent Fabius meinte, jede Seite müsse die Interessen der anderen immer von Anfang an mitdenken - wie bei einem natürlichen Reflex.
Am Ende waren alle zufrieden und auch etwas erschöpft von dem dichtgepackten Programm. Und der Kontakt zwischen deutschen und französischen Jungdiplomaten soll gehalten werden - demnächst geht es auf eine gemeinsame Lehrfahrt nach Brüssel.