Ein neues Land in Afrika
Während in Deutschland vor gut 20 Jahren aus zwei Ländern eines wurde, ist in Afrika gerade das Gegenteil passiert: Der Süden Sudans hat sich selbstständig gemacht und vom alten Sudan abgespalten, so dass es jetzt ein Land "Südsudan" gibt und eines, das weiterhin "Sudan" heißt. Südsudan und Sudan liegen beide am Nil, südlich an Ägypten anschließend.
Ein langer, schwerer Bürgerkrieg
Doch so friedlich, wie die Veränderungen in Deutschland vor sich gingen, lief die Sache in Sudan ganz und gar nicht ab - im Gegenteil: Seitdem das Land im Jahr 1956 unabhängig geworden war, kam es zwischen dem Norden und dem Süden immer wieder zum Bürgerkrieg. Die Menschen im Süden fühlten sich benachteiligt und unterdrückt und wollten unabhängig vom Norden sein.
Warum vertragen sich die Menschen nicht einfach?
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So sieht es in der neuen Hauptstadt Dschuba aus
(© wikimedia commons)
Im Fall Sudan kommen eine ganze Menge an Gründen zusammen. Los geht es damit, dass die Menschen verschieden aussehen. Die Nordsudanesen sind vor allem Araber, und die haben eine hellere Hautfarbe als die dunkleren, schwarzafrikanischen Südsudanesen. Außerdem wohnen im Norden vor allem Moslems, im Süden dagegen viele Christen. Noch dazu fühlten sich die Südsudanesen ausgenutzt, weil auf "ihrem" Land viele Erdölquellen liegen, das Geld aus dem Ölverkauf aber vor allem im Norden landete.
Kein Vertrauen in den Staat
Nun könnte man sagen: das sind doch alles keine wirklichen Gründe, sich zu bekriegen - man kann doch trotzdem in einem gemeinsamen Staat zusammenleben. Aber ihr dürft dabei nicht vergessen: von manchen Staaten können sich die Bürger längst nicht so viel erwarten, wie wir das gewohnt sind. Wenn ich in Deutschland arbeitslos werde, gehe ich zum Arbeitsamt und bekomme dort Geld, mit dem ich weiter über die Runden komme. In vielen Ländern gerade in Afrika mache ich in so einem Fall etwas ganz anderes: Dort gehe ich zu den nächsten Verwandten und sage: ihr müsst jetzt für mich sorgen. Und die tun das, auch wenn sie selber oft nur wenig haben.
Persönliche Beziehungen wichtiger als Recht und Gesetz
Das führt dazu, dass es sehr wichtig für mich ist, gute Beziehungen zu denen zu haben, die direkt um mich herum leben - viel wichtiger als der Staat, der eh nur schlecht funktioniert. Und viel wichtiger als Menschen, die woanders leben und die ich nicht persönlich kenne.
Solche Verhältnisse führen leicht zu starkem Misstrauen gegenüber Fremden - und "fremd" sind ja schon alle, die ich nicht persönlich kenne, die nicht in meinem Dorf leben. Haben sie dann noch einen anderen Glauben oder eine andere Hautfarbe, dann wird dieses Misstrauen und die Ablehnung rasch gefährlich groß - mit den oben beschriebenen Folgen.
An diesem Beispiel kann man sehen, dass das Leben in einem gut funktionierenden Staat nicht nur angenehmer, sondern auch sicherer sein kann.
Ein rauschendes Fest
Die Unabhängigkeit wurde am 9. Juli in Südsudan mit einem riesengroßen Fest begangen, bei dem viele Gäste dabei waren. Es war bewegend, auf Bildern in Zeitungen oder im Fernsehen zu sehen, wie begeistert und zuversichtlich die Menschen ihre Unabhängigkeit feierten. Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, war in der neuen Hauptstadt Dschuba und gratulierte dem neuen Land, das bald Mitglied der Vereinten Nationen werden soll.
Und wie geht es jetzt weiter?
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So sieht Schule auf süd-sudanesisch aus. Könnt Ihr rausbekommen, in welcher Sprache der Unterricht stattfindet?
(© wikimedia commons)
Aber Ban Ki-moon hat auch gleich gemahnt, dass der frischgebackene Staat vor einem Riesenberg an Problemen stehe. So ist die Lage für Menschen, die krank sind und Hilfe brauchen, oft katastrophal. Mit der Schulbildung vor allem für Mädchen sieht es sehr schlecht aus: Nur eine von fünf Frauen in Südsudan kann lesen und schreiben. Zwischen den beiden Sudans wird noch heftig um den genauen Verlauf der Grenze gestritten. Und die Südsudanesen haben jetzt zwar ihr Öl für sich, aber sie sind auf ihre früheren Landsleute im Norden angewiesen, wenn sie es verkaufen wollen: ihr Land hat jetzt nämlich keinen Meereszugang und schon gar keinen Hafen mehr.
Und von einem anderen Problem hört man auch immer wieder: Innerhalb von Südsudan leben eine ganze Reihe verschiedener Stämme. Und die misstrauen einander gehörig und sind oft der Meinung, zu kurz zu kommen. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor ...