Thomas Lubanga vor Gericht
Gestern hat vor dem Internationalen Strafgerichtshof der Prozess gegen Thomas Lubanga begonnen. Warum interessiert uns das? Was ist eigentlich der Internationale Strafgerichtshof, und wer ist Thomas Lubanga?
Das „Weltstrafgericht“: der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag
Die Idee, ein Internationales Strafgericht zu gründen, ist schon sehr alt. Schon vor mehr als 100 Jahren hatte sie ein Schweizer – nachdem er gesehen hatte, wie grausam Preußen und Frankreich 1870/71 gegeneinander kämpften. Zwar gab es schon damals Regeln für Soldaten, die Krieg führen, aber die wurden nicht immer beachtet – auch das hat sich nicht geändert.
Bis zur Gründung eines solchen Gerichts hat es dann sehr lange gedauert: Seit 2003 gibt es den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Mehr als 100 Staaten, darunter Deutschland, wollen mit dem Gericht die wirklich schlimmen Verbrechen bestrafen: Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. Gestern hat in Den Haag der erste Prozess begonnen – gegen Thomas Lubanga.
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Website des Gerichtshofs (englisch und französisch)
Der Angeklagte: Thomas Lubanga
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Thomas Lubanga
(© picture-alliance/dpa)
Thomas Lubanga war Anführer einer Rebellengruppe im Kongo, einem Land mitten in Afrika. Mehrere solcher Gruppen kämpften gegen die Regierung. In dem Konflikt ging es um eine Auseinandersetzung zwischen Volksgruppen, die im Kongo leben. Und es ging um Wirtschaftsinteressen. Konkret: Wem gehören die Rohstoffe des Landes – also die wertvollen Erze, aber auch Gold, Silber, Diamanten und Erdöl?
60.000 Menschen wurden während des Bürgerkriegs getötet, viele gefoltert, Frauen vergewaltigt. Und: Kinder wurden dazu gezwungen, bei diesen Kämpfen mitzumachen.
Genau darum geht es bei der Anklage: Thomas Lubanga – als Anführer einer der Gruppen – soll Kinder auf dem Schulweg entführt haben lassen und sie zum Morden gezwungen haben. Dafür wird ihm jetzt der Prozess gemacht. Vor dem Gericht sollen viele Zeugen aussagen, auch ehemalige Kindersoldaten.
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Kindersoldaten im Kongo
(© picture-alliance/dpa)
Kinder als Soldaten
Manche Kinder spielen vielleicht gerne Krieg. Kein Kind will aber in einem richtigen Krieg kämpfen. Im Kongo wurden die meisten Kindersoldaten gar nicht gefragt, sondern mit Gewalt zum Mitmachen gezwungen. Sie wurden eingeschüchtert oder ihnen wurde Geld versprochen, damit sie dabei blieben.
In Europa leben einige ehemalige Kindersoldaten, die zum Beispiel in Holland Asyl gefunden haben. Sie beobachten den Prozess gegen Lubanga ganz genau. Für sie ist dieser Prozess ein Zeichen dafür, dass die Welt nicht mehr nur zuschaut, sondern versucht wird, solche Verbrechen zu bestrafen.